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VAUDE lässt Green Shape erstmals unabhängig zertifizieren

VAUDE hat als erste Marke die unabhängige Zertifizierung nach dem neuen Green-Shape-System abgeschlossen. Damit vollzieht das Unternehmen einen grundlegenden Wechsel: Aus dem ursprünglich von VAUDE selbst entwickelten Nachhaltigkeitsstandard wird ein unabhängiges Zertifizierungssystem, das künftig auch anderen Unternehmen der Textil- und Outdoorbranche offensteht.

Green Shape wurde 2010 von VAUDE entwickelt. Anfang 2026 übertrug das Unternehmen den Standard an den unabhängigen, gemeinnützigen Green Shape e.V. Der Verein fungiert seither als Programmeigner. Green Shape ist zudem als EU-Gewährleistungsmarke angelegt.

Die Kriterien betrachten nicht nur einzelne Materialien, sondern den Lebenszyklus eines Produktes von Design und Rohstoffauswahl über Herstellung und Nutzung bis zu Reparierbarkeit und End-of-Life. Die Einhaltung wird durch unabhängige Stellen geprüft. Nach Angaben von VAUDE werden zahlreiche Produkte der Herbst-/Winterkollektion 2026 bereits mit dem neuen zertifizierten Green-Shape-Label in den Handel kommen.

Rohrkolben aus wiedervernässten Mooren soll zur Textilfaser werden

Rohrkolben aus Paludikultur soll künftig als Rohstoff für hochwertige Textilfasern nutzbar werden. Ein von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe vorgestelltes Projekt der Hochschule Niederrhein untersucht, wie sich Fasern aus Typha latifolia so gewinnen und aufbereiten lassen, dass eine industrielle Verarbeitung möglich wird.

Im Mittelpunkt stehen skalierbare mechanische und chemisch-physikalische Aufschlussverfahren. Die gewonnenen Fasern werden auf Reißfestigkeit, Feinheit, Dehnbarkeit und Spinnfähigkeit untersucht. Anschließend sollen die bislang im Labormaßstab entwickelten Prozessschritte in Richtung industrieller Anwendung weiterentwickelt und dafür Prozessparameter sowie Qualitätsstandards definiert werden.

Der Ansatz verbindet Textiltechnik und Moorbodenschutz. Wiedervernässte Moore binden große Kohlenstoffmengen, bislang fehlen jedoch vielerorts wirtschaftlich tragfähige Absatzmärkte für die Biomasse aus Paludikultur. Eine textile Nutzung könnte landwirtschaftlichen Betrieben zusätzliche Erlösmöglichkeiten eröffnen und zugleich eine regionale Alternative zu fossilen Synthetikfasern schaffen.

Mammut stellt mit „Unwellness Retreat“ klassische Wellness-Kommunikation auf den Kopf

Mammut startet mit „Unwellness Retreat“ eine globale Kampagne, die die verbreitete Wellness- und Selbstoptimierungslogik bewusst umkehrt. Statt kontrollierter Routinen und Komfort stellt die Bergsportmarke Kälte, Höhe, Unsicherheit und das Erlernen neuer Fähigkeiten in den Mittelpunkt.

Ein erster Retreat wurde in Chile mit Content Creators umgesetzt. Die Kampagne wird mit Filmformaten fortgeführt und in mehreren Märkten durch Aktivierungen ergänzt. In der Schweiz plant Mammut gemeinsam mit Handelspartnern unter anderem eine Übernachtung auf einem Portaledge an der Verzasca-Staumauer sowie Trainingseinheiten mit Bergführern.

Für die Outdoorbranche ist weniger der einzelne Event als die Positionierungsstrategie interessant: Mammut verknüpft Bekleidung und Ausrüstung mit einem anspruchsorientierten Markenerlebnis und grenzt sich damit bewusst von der stark gewachsenen Wellness-Kommunikation im Lifestyle- und Activewear-Markt ab.

WSTDA diskutiert in Deutschland Standards für textile Hebe- und Ladungssicherung

Die Web Sling & Tie Down Association (WSTDA) hat ihre jährliche Herbsttagung erstmals außerhalb Nordamerikas in Deutschland durchgeführt. Auf Einladung von Dolezych und Doleco USA trafen sich Fachleute aus den USA mit europäischen Experten, um technische Anforderungen an Ladungssicherung und textile Hebetechnik zu vergleichen.

Ein Schwerpunkt war ein Praxistag im Forschungs- und Technologiezentrum Ladungssicherung in Selm. Dort wurden Unterschiede zwischen europäischen und nordamerikanischen Regelwerken erläutert und Sicherungsmethoden unter realitätsnahen Bedingungen demonstriert. Die WSTDA entwickelt technische Richtlinien und Standards für Hebe- und Ladungssicherungssysteme; Dolezych arbeitet seit rund drei Jahrzehnten im Verband mit.

Für Hersteller textiler Hebebänder, Rundschlingen und Zurrsysteme ist der Austausch relevant, weil sich Normen, Berechnungsmodelle und Prüfanforderungen unmittelbar auf Konstruktion, Materialwahl und internationale Vermarktung auswirken.

Lenzing will mit 300 Millionen Euro Kapitalerhöhung „Grow Nonwovens, Reset Textiles“ stützen

Die Lenzing AG hat eine vollständig garantierte Barkapitalerhöhung mit Bezugsrechten angekündigt, die einen Bruttoerlös von rund 300 Millionen Euro bringen soll. Der Mittelzufluss soll zusätzliche finanzielle Flexibilität schaffen, die Kapitalstruktur stärken und ausdrücklich die Umsetzung der Strategie „Grow Nonwovens, Reset Textiles“ unterstützen.

Geplant ist die Ausgabe von 34.756.362 neuen Aktien zu 8,65 Euro je Aktie. Das Bezugsverhältnis beträgt 10 zu 9. Die Bezugsfrist läuft nach der Mitteilung voraussichtlich vom 6. bis 20. Oktober 2026. Das Syndikat aus B&C-Gruppe und Suzano sowie die Oberbank haben sich zur Ausübung ihrer Bezugsrechte verpflichtet.

Für die Faserbranche ist vor allem die Mittelverwendung interessant: Lenzing koppelt die Kapitalmaßnahme direkt an eine Strategie, die Wachstum im Vliesstoffgeschäft und eine Neuausrichtung des Textilsegments vorsieht. 
Damit erhält die operative Transformation einen erheblichen zusätzlichen Finanzierungsspielraum.

Hochschule Niederrhein bringt Strick, Space-Age und Nachwuchsdesign ins Historische Klärwerk

Die Hochschule Niederrhein präsentiert am 15. Oktober 2026 im Historischen Klärwerk Krefeld-Uerdingen aktuelle Kollektionen und Abschlussarbeiten aus dem Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik. 
Gemeinsam mit angehenden Bekleidungstechnischen Assistentinnen und Assistenten des Berufskollegs Vera Beckers entsteht ein Programm zwischen experimenteller Gestaltung, Popkultur und gesellschaftlichen Themen.

In Sophie Steffens Bachelor-Kollektion „Raum für mich“ werden Space-Age-Einflüsse und kreisförmige Elemente in sechs Silhouetten übersetzt. Julia Segschneider nutzt in ihrer Masterarbeit „zu viel oder zu wenig“ Strick als zentrales Gestaltungsmittel und arbeitet bewusst mit Gegensätzen zwischen weichen Materialien und kontrollierenden Formen.

Weitere Positionen reichen von einer künstlerisch geprägten Capsule Collection für Bühne und Alltag bis zu „Future Fashion“ mit ungewöhnlichen Materialien.
Die Schau macht damit sichtbar, wie breit sich Ausbildung heute zwischen Material, Konstruktion, kultureller Referenz und persönlicher Designsprache bewegt.

PUMA: ANTA Sports übernimmt 29,06 Prozent und wird größter Aktionär

ANTA Sports Products Limited hat den bislang von Artémis gehaltenen Anteil von 29,06 Prozent an PUMA vollständig übernommen und ist damit neuer größter Aktionär des Sportartikelkonzerns. PUMA wertet den Einstieg als langfristiges strategisches Engagement und will prüfen, in welchen Bereichen sich die jeweiligen Stärken beider Unternehmen ergänzen können.

Für die Markenführung ist ein Punkt ausdrücklich festgehalten: PUMA soll weiterhin unabhängig geführt werden. Nach Angaben des Unternehmens respektiert ANTA Sports die eigenständige Unternehmensführung, Markenidentität und Markenautonomie von PUMA.

Der Vorgang ist für die internationale Sportartikelindustrie auch deshalb relevant, weil ein großer chinesischer Sportartikelkonzern nun eine substanzielle Beteiligung an einer der bekanntesten europäischen Marken hält. 
PUMA verfolgt gleichzeitig das Ziel, sich wieder unter den drei führenden Sportmarken weltweit zu positionieren.

 

Fraunhofer IAP macht PET-Alttextilien zum Rohstoff für neue Biopolymere

Das Fraunhofer IAP zeigt zur Fakuma 2026 verschiedene Wege, Kunststoff- und Textilströme stärker zirkulär zu nutzen. 
Ein textilnaher Ansatz setzt bei PET-haltigen Alttextilien an: Sie dienen als Ausgangsmaterial für die Herstellung des Biopolymers Polyhydroxybutyrat (PHB). 
Damit wird ein schwer verwertbarer Abfallstrom in eine neue Rohstoffbasis überführt.

Parallel arbeitet das Institut an der Rückgewinnung von Terephthalsäure aus PET, aus der erneut Polymere für Flaschen, Fasern und Folien entstehen können. Neue Typen des Biokunststoffs Polybutylensuccinat (PBS) wurden gemeinsam mit Industriepartnern im Pilotmaßstab entwickelt. 
Sie lassen sich unter anderem extrudieren und verspinnen und kommen damit auch für textile Anwendungen infrage.

Ein weiteres Thema ist recyclinggerechte Materialgestaltung. 
Beim selbstverstärkten sc-PLA bestehen Matrix und Verstärkung aus demselben Polymer, wodurch spätere Trennschritte entfallen.
Ergänzend zeigt das IAP biobasierte Carbonfasern aus erneuerbaren Rohstoffen wie Cellulose oder Lignin für Leichtbau-, Energie- und weitere technische Anwendungen.

Barmag bündelt Automatisierung, Energieeffizienz und Digitalisierung für die Chemiefaserproduktion

Barmag stellt für die India ITME 2026 ein breit angelegtes Technologiepaket für die Chemiefaserproduktion vor. 
Im Zentrum steht POY 2.0 mit dem WINGS-POY-2.0-Wickler, der den Aufspulvorgang automatisiert. 
Ergänzt wird das Konzept durch eine kompaktere Spinnpackung und einen neu ausgelegten Spinnbalken. 
Barmag nennt dabei unter anderem rund ein Drittel weniger Filtersand und Energieeinsparungen von bis zu zehn Prozent am Spinnbalken.

Digital flankiert wird die Produktion durch atmos.io. Die Plattform verknüpft Prozessdaten entlang der Garnherstellung und soll Qualitätsabweichungen früher sichtbar machen. 
Für die Texturierung nennt Barmag bei der eFK EvoSmart einen um bis zu 25 Prozent reduzierten spezifischen Energieverbrauch je Kilogramm Garn.

Auch Neumag ist Teil des Auftritts: EvoSteam adressiert Stapelfaserqualität und Energieeinsatz, FiberGuard BCF misst Garnspannung im Teppichgarnprozess in Echtzeit, und hycuTEC zielt mit elektrostatischer Aufladung von Meltblown-Materialien auf anspruchsvolle Filtrationsanwendungen. Die Neuheiten werden vom 4. bis 9. Dezember 2026 in Greater Noida gezeigt.

Südwesttextil entwickelt KI-gestützte und datenbasierte Verbandsservices

Der Verband baut mit dem KI-Chatbot TEXI und der neuen MRSL-Datenbank gezielt digitale Lösungen auf, um Unternehmen bei wachsenden regulatorischen Anforderungen im Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit zu unterstützen.

Ob Ökodesign, Verpackungsregulierung, Lieferkettenanforderungen oder Chemikalienstandards: Die regulatorischen Anforderungen an die Textil- und Bekleidungsindustrie wachsen kontinuierlich. Gleichzeitig steigt für Unternehmen der Aufwand, relevante Informationen zu recherchieren, einzuordnen und auf die eigene betriebliche Praxis zu übertragen. Südwesttextil setzt deshalb verstärkt auf digitale Lösungen, um das über Jahre aufgebaute Fachwissen des Verbands noch schneller und gezielter für seine Mitgliedsunternehmen verfügbar zu machen. 

Business

Normen & Standards

Fraunhofer: Positionspapier Normen & Standards

Agieren deutsche Unternehmen zu zögerlich, wenn es darum geht, sich an Prozessen zur Standardisierung und Normung innovativer Technologien zu beteiligen?
 
Mehr zum Positionspapier in unserem Newsbereich.

Studie - Lieferkettengesetz

HypoVereinsbank: Wettbewerbsnachteile durch Lieferkettengesetz

Fast drei Viertel der Befragten (70%) befürchtet, dass die Überwachung der gesamten Lieferkette den Mittelstand – insbesondere kleine Unternehmen – überfordern könnte.

Infos zum Download der Studie in unserem Newsbereich.

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Zahlen & Statistik

Konjunkturdaten Textil & Bekleidung

Monatlich aktualisiert erhalten Sie hier die Konjunkturdaten zur deutschen Textil- und Bekleidungsindustrie:

  • Auftragseingangsindex
  • Umsatzindex
  • ifo-Konjunkturklimaindex
  • Kennziffern

Industrie-Statistiken finden Sie in unserer Datenbank zum Download.